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Geschrei am Frühstückstisch, Ausmalbilder und Bauklötze quer über den Wohnzimmerboden verteilt, ein “Mamaaa, mir ist langweilig!”, während am Laptop ein virtuelles Arbeits-Meeting läuft. Seit gut sieben Wochen ist das für etliche Familien in Deutschland der ganz normale Alltagswahnsinn! Bei uns Eltern liegen die Nerven blank und unsere Kids vermissen ihre Freund*innen. Während die Schulen bereits wieder schrittweise geöffnet werden, gibt es für die Kitas und Kindergärten noch keinen konkreten Fahrplan, wie es in der Corona-Pandemie weitergehen soll. Zwar sollen die Einrichtungen nach und nach  wieder mehr Kinder aufnehmen, doch wann genau das sein wird, soll jedes Bundesland einzeln regeln. Aktuell wird eine Notbetreuung für Kinder angeboten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Allen anderen fehlt eine klare Perspektive. Kein Wunder, dass sich immer mehr Eltern zusammentun, um für ihre Bedürfnisse und die ihrer Kinder einzustehen. Vielleicht habt auch ihr in letzter Zeit das Gefühl, etwas tun zu müssen? Bei “Eltern Initiativ” trefft ihr auf Gleichgesinnte!

 

Fast 10.000 Mitglieder in drei Wochen

 

Mitte April ist auf Facebook die Gruppe “Eltern Initiativ #elterninderkrise” entstanden. Einige Mütter haben sich dort zusammengeschlossen, um für ihre Belange und die Bedürfnisse ihrer Kinder laut zu werden. In wenigen Wochen haben sich immer mehr Mütter und Väter angeschlossen – inzwischen hat die Gruppe schon über 9.000 Mitglieder! Sie alle vereint die Forderung, dass bei den Entscheidungen über die Corona-Maßnahmen stärker darauf geachtet werden sollte, was Kindern und Familien gut tut. Sie wollen eine Lobby darstellen,  also ihre Interessen gegenüber der Politik selbstbewusst vertreten. Sie sind zwar keine medizinischen Expert*innen oder Politik-Profis, wollen aber zumindest den Dialog über das Thema in der Gesellschaft ankurbeln und den Blick auf ihre Situation lenken.

Von Diskussionen zu Demonstrationen 

 

Für diejenigen, die sich nicht nur in der Facebook-Gruppe austauschen, sondern darüber hinaus aktiv werden wollen, gibt es ein digitales Arbeitsforum. Die Initiative hat dafür einen Slack-Workspace eingerichtet. Hier können sich Eltern unabhängig von den Gründerinnen der Initiative neu vernetzen und gemeinsame Aktionen planen. So haben sich beispielsweise schon Eltern zu Demonstrations-Gruppen zusammengeschlossen. Für den Muttertag am 10. Mai sind neue Demos geplant, bisher in Köln, Bonn und Düsseldorf. Von 14 bis 15:30 Uhr wollen die Eltern mit ihren Kindern und ausgestattet mit großen bunten Schildern auf sich aufmerksam machen. Sie fordern unter anderem, dass die Notbetreuung für Kinder erweitert wird, und dass Eltern ihre Stunden bei der Arbeit reduzieren können. Für diejenigen, die nicht vor Ort mitdemonstrieren können, soll es einen Livestream geben. 

 

Fest steht: Einfache Lösungen gibt es nicht

 

Kinder brauchen Kinder! Gerade wenn sie noch sehr jung sind, also im Kindergartenalter, zählt jede Woche. Schon wenige Tage ohne die gewohnten Bezugspersonen in der Kita, ob nun Freund*innen oder Erzieher*innen, sind deutlich zu spüren. Da unsere Kids viel jünger sind als wir, haben sie nämlich ein ganz anderes Zeitempfinden. Doch auch für uns wächst die Belastung mit jedem Tag, an dem wir nicht wissen, wo uns zwischen Kinder-Action, Home Office und unseren eigenen Bedürfnissen der Kopf steht. 

Doch natürlich gibt es auch Gründe dafür, warum nicht alle Forderungen ohne Weiteres sofort umgesetzt werden können. Eine Tagesbetreuung schnell für alle Kinder wieder anbieten zu können, scheitert beispielsweise leider an einigen Punkten: In den meisten Einrichtungen mangelt es schlicht an genügend Räumen, um die Kinder in kleine Gruppen aufzuteilen und so die Abstandsregeln einhalten zu können. Außerdem gibt es nicht genügend Personal, um alle Kinder unter den besonderen Hygieneauflagen zu betreuen. Einige Erzieher*innen sind außerdem schon über 60 oder fallen aufgrund von Vorerkrankungen in die Risikogruppe. Kann man von ihnen erwarten, dass sie dennoch arbeiten? 

 

Kreativität und Kompromisse

 

Weil es einfache Lösungen in der Corona-Pandemie also nicht geben kann, fordern die Mitglieder von Eltern Initiativ kreative Lösungen. Bei den Entscheidungen darüber, welche Maßnahmen wann und wie schnell gelockert werden, gilt es eine Vielzahl von Perspektiven und Bedürfnissen miteinzubeziehen. Man wird es wahrscheinlich niemandem zu einhundert Prozent Recht machen können, doch was Eltern Initiativ zumindest schon geschafft haben: Die Sicht der Familien und der Kinder wird überhaupt wahrgenommen!